3000er und Mineralienberge um den Lukmanierpass mit Piz Cristaline, Piz Medel und Piz Gannaretsch

3000er und Mineralienberge um den Lukmanierpass mit Piz Cristaline, Piz Medel und Piz Gannaretsch

Die Krone des Val Medel: Auf den Spuren von Piz Medel, Cristallina und Gannaretsch

Wer die wilde, ursprüngliche Seite der Schweizer Alpen sucht, wird südlich der Surselva fündig. Wo Graubünden an das Tessin grenzt, erstreckt sich rund um das weite Val Medel eine spektakuläre, oft vergessene Berggruppe. Abseits der großen Touristenströme warten hier einsame Gletscherpfade, schroffe Grate und unvergessliche Gipfelmomente.

In diesem Beitrag nehmen wir dich mit in die faszinierende Region um den Piz Medel, den Piz Cristallina und den Piz Gannaretsch – inklusive praktischer Tipps für deine nächste Tour.

Die Region: Wildnis zwischen Graubünden und Tessin

Das Val Medel ist ein alpines Naturparadies, das sich von Disentis hinauf zum Lukmanierpass (Passo del Lucomagno) erstreckt. Geografisch gehört die Berggruppe zu den Adula-Alpen. Charakteristisch für die Region ist der markante Kontrast zwischen den tiefen, urigen Tälern auf der Bündner Nordseite und den sonnenverbrannt-kargen Landschaften, die bereits den mediterranen Einfluss des Tessins ankündigen. Das Herzstück der Gruppe ist der Glatscher da Medel (Medelsergletscher), ein beeindruckendes Eisfeld, das sich unter den Hauptgipfeln ausbreitet.

Die wichtigsten Talorte

  • Curaglia (1.332 m): Das charmante Hauptdorf des Val Medel ist der ideale Ausgangspunkt für Touren in die Val Plattas und zur Medelserhütte.

  • Disentis/Mustér (1.130 m): Bekannt für sein imposantes Benediktinerkloster, bietet das Städtchen am Fuße des Oberalppasses die perfekte Infrastruktur (Unterkünfte, Bergführer, Ausrüstung).

  • Lukmanierpass / S. Maria (1.917 m): Die Passhöhe verbindet das Disentiser Tal mit dem Tessiner Bleniotal und ist der perfekte, hochgelegene Startpunkt für Touren im südlichen Teil der Gruppe.

Die drei Gipfel-Klassiker im Detail

1. Piz Medel (3.210 m) – Der majestätische Eisriese

Der Piz Medel ist der höchste und bekannteste Gipfel der Gruppe. Seine Besteigung ist eine klassische, mittelschwere Hochtour (WS-), die im Sommer eine solide Gletscherausrüstung erfordert.

  • Anstiegsbeschreibung (Normalweg): Der klassische Anstieg startet an der wunderschön gelegenen Medelserhütte (Camona da Medel, 2.524 m), die man von Curaglia durch die wilde Val Plattas erreicht. Von der Hütte steigt man kurz ab und quert hinüber zum Glatscher da Medel. Über den mäßig steilen Gletscher steigt man in südlicher Richtung aufwärts zur Fuorcla da Medel (3.003 m). Von dort führt der Weg über den breiten, unschwierigen Nordwestrücken (Firn oder leichtes Blockgelände) direkt hinauf zum Gipfelkreuz, von dem aus man eine grandiose Rundumsicht bis zu den Walliser Riesen genießt.

2. Piz Cristallina (3.127 m) – Der wilde Nachbar

Direkt westlich des Piz Medel thront der Piz Cristallina. Er ist etwas weniger stark vergletschert, fordert aber im Gipfelbereich Trittsicherheit im weglosen Blockgelände.

  • Anstiegsbeschreibung: Auch hier ist die Medelserhütte der perfekte Stützpunkt. Der Weg führt zunächst nach Westen hinab ins unwegsame Gelände unterhalb der Fuorcla da Lavaz. Von dort steigt man weglos über Moränen und steile Schutthalden hinauf zur Fuorcla Cristallina (3.003 m). Der finale Nordost- bzw. Südostgrat verlangt leichte Blockkletterei (T5 / I. Grad), belohnt dafür aber mit einer wunderbar einsamen Gipfelatmosphäre abseits der Pfade.

3. Piz Gannaretsch (3.040 m) – Der einsame Wächter über den Stauseen

Der Piz Gannaretsch liegt etwas weiter westlich und thront markant zwischen dem Val Medel und dem Val Nalps mit seinem tiefblauen Stausee.

  • Anstiegsbeschreibung: Ein spannender und einsamer Aufstieg startet im Val Medel bei Pardatsch (1.621 m). Von dort folgt man dem steilen Pfad hinauf in die einsame Val Garzera. Weglos und über ausgedehnte Blockschuttfelder geht es hinauf in die Scharte Fuorcla da Gannaretsch. Über den anschließenden, teils ausgesetzten Nordostgrat klettert man im einfachen Fels (I. bis II. Schwierigkeitsgrad) hinauf zum einsamen Gipfel, der einen phänomenalen Blick auf die Kraftwerk-Stauseen bietet.

Weitere lohnenswerte Ziele in der Region

  • Scopi (3.190 m): Dieser markante Aussichtsberg direkt am Lukmanierpass lässt sich über einen steilen, aber weiß-blau-weiß markierten Alpinwanderweg überraschend unkompliziert besteigen.

  • Piz Gaglianera (3.121 m): Ein eleganter, dunkler Gipfel, der erfahrenen Alpinisten eine anspruchsvolle Gratüberschreitung und wilde Tiefblicke in die Val Camadra bietet.

  • Piz Vial (3.168 m): Als direkter Nachbar des Piz Medel fordert er Bergsteiger mit einer sehr einsamen, weglosen Felskletterei im rauen Urgestein heraus.

  • Piz Muraun (2.897 m): Ein fantastischer, vielseitiger Aussichtsgipfel hoch über Disentis, der sich im Sommer als anspruchsvolle Bergwanderung und im Winter als erstklassige Skitour anbietet.

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