Steinböcke sehen in den Plessuralpen zwischen Davos und Arosa

Steinböcke sehen in den Plessuralpen zwischen Davos und Arosa
Steinböcke in den Plessuralpen — wo sie auftreten können

Die Plessuralpen im Kanton Graubünden sind ein felsiges, alpines Gebirge mit zahlreichen hohen Gipfeln (bis knapp unter 3 000 m) rund um Arosa, Lenzerheide und das Schanfigg. Einige der höchsten und markantesten Gipfel sind das Aroser Rothorn (2’980 m), Erzhorn (2’924 m), Guggernellgrat (2’810 m) und Sandhubel (2’764 m) sowie die lange Strelakette mit Valbellahorn (2’763 m) und Chüpfenflue (2’658 m).

https://www.suedamerikatours.de/alpen/leichte-und-einsame-wanderberge-um-arosa

Habitat und Lebensraum
Steinböcke bevorzugen felsige, steile Berghänge oberhalb der Waldgrenze, wo sie offene Alpwiesen, Gesteinsfluren und Gratbereiche aufsuchen – genau jene Lebensräume, die auch in den Plessuralpen reichlich vorhanden sind, besonders:
in hochalpinen Bereichen um Aroser Rothorn und Erzhorn,
an felsigen Graten wie dem Guggernellgrat und der Strelakette,
in steilen Flanken um den Sandhubel und Valbellahorn.

In solchen Geländen finden sie typischerweise Ruheplätze, Nahrungsflächen und Schutz vor Beutegreifern. In geeigneten Jahren ziehen sie im Sommer auch in niedrigere Felszonen und Almbereiche abseits der Touristenzonen.


Konkrete Beobachtungszonen (regional)
1) Arosa Rothorn und Erzhorn
Diese Gipfelregionen mit felsigen Graten und alpinen Schutthalden sind klassische Habitatzonen für Steinböcke. Je höher und felsiger ein Gebiet, desto wahrscheinlicher sind dort vereinzelte Sichtungen – vor allem im späten Frühjahr bis Herbst, wenn Schnee weniger Hindernis ist.
Suedamerikatours

2) Strelakette – Valbellahorn, Chüpfenflue und  Umgebung
Die lange Strelakette zwischen Valbellahorn und Chüpfenflue bietet zahlreiche felsige Kämme, Terassen und steile Hänge – ideale Strukturen für Steinböcke. Hier sind sie zwar nicht in dichtem Bestand wie in klassischen Hochalpenzonen (z. B. Nationalpark), aber regelmäßig beobachtbar, wenn man geduldig ist und früh am Morgen oder am späten Nachmittag im Gelände unterwegs ist.
suedamerikatours.de

3) Guggernellgrat und Sandhubel
Gebiete wie der Guggernellgrat (2’810 m) mit seinem Sandhubel-Nachbarbereich sind strukturell sehr geeignet für Steinböcke: hier gibt es felsige Routen mit Ausweichflächen, die Tiere für Tageszüge nutzen könnten. Gerade zwischen Mai und September, wenn die Vegetation oberhalb der Baumgrenze am reichsten ist, lohnt es sich, solche Zonen zu durchstreifen.


Steinböcke – Lebensweise im Gebirge
Der Alpensteinbock (Capra ibex) ist ein eindrucksvoller Alpensäuger aus der Familie der Hornträger (Bovidae). Steinböcke sind perfekt an das Leben in steilem, felsigem Gelände angepasst: Ihre Hufe sind hart und profilreich, die Sohlen elastisch, sodass sie auch auf schroffen Flächen sicher klettern können. Sie leben meist oberhalb der Waldgrenze zwischen etwa 1.600 m und über 3.000 m Höhe und ernähren sich als Pflanzenfresser von Gräsern, Kräutern, Sträuchern und im Winter auch von Flechten oder Baumrinden. 

Steinböcke leben in verschiedenen Sozialstrukturen:
Weibchen (Geißen) und ihre Jungen bilden eigene Gruppen
Böcke leben häufig getrennt in Junggesellenrudeln
Zur Paarungszeit schließen sich Gruppen kurzzeitig zusammen
Die Paarung findet meist im Winter statt, und nach einer Tragzeit von etwa fünf bis sechs Monaten wird im Frühjahr oder Frühsommer ein Junges geboren.

Generell finden sich Steinböcke in der Schweiz und in den Alpen hauptsächlich in den klassischen Alpenregionen, etwa im Engadin, im Schweizer Nationalpark, in Graubünden und angrenzenden Bergketten. Dort leben heute die meisten Tiere der Schweizer Population.

Population (Alpen insgesamt):
Die Alpensteinbock-Population ist nach Jahrzehnten der Erholung heute relativ stabil: insgesamt schätzt man den Bestand auf rund 50.000–55.000 Tiere in Europa. In der Schweiz leben ca. 15.000–18.500 Steinböcke – viele davon in Graubünden, aber nicht unbedingt in sehr hohen Dichten in jedem einzelnen Gebirgszug wie den Plessuralpen.

Da die Plessuralpen etwas tiefer und stärker bewaldet sind als die klassischen Hochalpenzonen, sind dort Steinböcke zwar grundsätzlich möglich, aber regional seltener zu beobachten als in typischen Felsgebieten höherer Alpenketten. Beobachtungen in tieferen Voralpenzonen sind weniger häufig und oft abhängig von lokalen Biotopen.

Ausrottung und Wiederansiedlung in den Alpen

Historisch wurde der Alpensteinbock im 19. Jahrhundert durch intensive Bejagung fast ausgerottet. In weiten Teilen der Alpen überlebten nur wenige Tiere – z. B. im Gran Paradiso (Norditalien). Ab Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Schutz- und Wiederansiedlungsprogramme gestartet: Tiere aus den letzten Beständen wurden gezielt vermehrt und in geeignete Gebiete umgesetzt.

Dank dieser Maßnahmen ist der Alpensteinbock wieder in vielen Teilen seines früheren Verbreitungsgebiets präsent und gilt heute nicht mehr als gefährdet (IUCN „Least Concern“). Allerdings ist die genetische Vielfalt in manchen Populationen noch relativ gering, da alle heutigen Tiere von wenigen Gründerindividuen abstammen.


Neue Herausforderungen: Wolf und weitere Gefahren

In den Alpenregionen kehren große Raubtiere allmählich zurück, darunter auch Wölfe. Berichte über ein Wolfsrudel in der Hochwangkette (Teil der Plessuralpen) zeigen, wie sich Raubtiere wieder ausbreiten können – diese Entwicklung kann auch Auswirkungen auf Steinböcke haben, da Wölfe gelegentlich junge oder geschwächte Tiere erbeuten. Die Rückkehr von Wölfen gehört zu den natürlichen Gefahren für Steinböcke, ergänzt durch andere Prädatoren wie Luchs oder Bär, die aber historisch schon immer zu ihrem natürlichen Feindspektrum gehörten.


Neben Prädation sind weitere Herausforderungen für Steinböcke:
 Lebensraumveränderungen durch Tourismus und Infrastruktur
Klimawandel mit veränderten Vegetationszonen
Störung durch Mensch und Aktivitäten in ihrem Lebensraum

Die Rückkehr von Raubtieren wie dem Wolf kann zwar kurzfristig lokalen Druck auf Steinbock-Populationen ausüben, ist aber auch Teil eines funktionierenden Ökosystems, in dem Balance zwischen Beute- und Räuberarten wiederhergestellt wird.

Wo findet man Steinböcke am einfachsten?
In der Schweiz und den Alpen allgemein sind Steinböcke am besten zu beobachten in:
Hohe Alpenketten über der Waldgrenze (meist 2.000 m und höher)
Regionen wie:
Engadin und Nationalpark Graubünden
Bernina- und Albula-Ketten
andere klassische Alpenzüge (z. B. in Italien, Frankreich, Österreich)

In solchen Gebieten nutzen Steinböcke oft Süd- und Südwesthänge mit steilen Felsflächen, wo sie Nahrung und Schutz finden – besonders im Frühjahr und Herbst, wenn sie in niedrigere Lagen ziehen, um zu äsen.

Die Plessuralpen um Arosa, Lenzerheide und die Hochwangkette liegen am nördlichen Rand des Steinbock-Verbreitungsgebiets. Beobachtungen sind dort möglich, aber nicht so häufig wie in den klassischen Alpenzentren – allerdings können Steinböcke vereinzelt auch in Voralpregionen vorkommen, besonders dort, wo Felswände und hohe Weideflächen vorhanden sind.

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