Erlebnisbericht: Auf den Spuren der 4000er – Ras und Timesguida im Hohen Atlas
Schon früh am Morgen verlasse ich die engen Gassen von Marrakesch. Im ersten Licht des Tages liegen die schneebedeckten Gipfel des Hohen Atlas am Horizont – scharf und klar, als wären sie direkt aus dem Wüstenhimmel geschnitten. Ziel meiner Reise: die beiden 4000er Ras (4083 m) und Timesguida (4089 m), die stillen Nachbarn des berühmten Toubkal.
https://www.suedamerikatours.de/marokko/marokko-leichte-4000er-besteigungen-im-hohen-atlas
Von Marrakesch nach Imlil – Tor zum Hohen Atlas
Nach einer knapp zweistündigen Fahrt erreiche ich das Bergdorf Imlil (1740 m), Ausgangspunkt fast aller Bergtouren in der Region. Hier empfängt mich mein lokaler Bergführer Hassan, organisiert über SuedamerikaTours.de. Freundlich, ruhig und mit einem herzlichen Lächeln prüft er noch einmal meine Ausrüstung, während im Hintergrund Maultiere bepackt werden.
Das kleine Tal ist voller Leben – Berberfrauen in bunten Tüchern tragen Brennholz, Kinder winken von den Feldern, und in der klaren Luft duftet es nach Minze und Erde. Gegen Mittag brechen wir auf.
Aufstieg zur Toubkal-Hütte
Der Weg führt zunächst gemütlich durch das Aït-Mizane-Tal. Schon bald wird der Pfad steiler, die Vegetation spärlicher. Über den Wallfahrtsort Sidi Chamharouch (2310 m) mit seinem weißen Felsheiligtum steigen wir weiter hinauf. Ein paar Teestände bieten süßen Minztee – willkommenes Zuckerwasser für müde Beine.
Am Nachmittag erreichen wir die Refuge du Toubkal (3207 m). Hier, am Fuß der höchsten Gipfel Nordafrikas, endet der erste Tag. Die Luft ist kühl, das Abendlicht golden. In der einfachen, aber gemütlichen Hütte teilen sich Bergsteiger aus aller Welt die Tische – Spanier, Franzosen, Marokkaner. Geschichten, Lachen und heißer Tee füllen den Raum, während draußen der Wind über die Geröllfelder streicht.
Gipfeltag – Ras und Timesguida
Noch im Dunkeln brechen wir auf. Der Wind ist kalt, der Himmel voller Sterne. Die Stirnlampen tanzen über den felsigen Hang, das Knirschen der Steine begleitet jeden Schritt. Über eine steile Rinne steigen wir zum Sattel zwischen Toubkal West und Ras. Langsam färbt sich der Horizont orange – der Sonnenaufgang über den Bergen des Anti-Atlas ist atemberaubend.
Zuerst erreichen wir den Ras (4083 m) – schmal, windig und mit einem großartigen Blick hinüber zum dominierenden Toubkal. Kurz darauf folgt der Timesguida (4089 m), kaum niedriger, aber etwas breiter und angenehmer zum Verweilen.
Hier oben scheint die Welt still zu stehen. Das Draa-Tal im Süden verschwindet im Dunst, im Norden schimmert fern das Flachland bei Marrakesch. Nur Wind, Sonne und das leise Klirren der Karabiner.
Nach einer kurzen Rast steigen wir auf demselben Weg zurück zur Hütte. Am Nachmittag kehren wir nach Imlil zurück – müde, verstaubt, aber glücklich.
Rückkehr nach Imlil – Berberleben im Tal
Im kleinen Gästehaus in Imlil gibt es zur Belohnung heißen Tee und Tajine mit frischem Brot. Die Sonne taucht die Berge in warmes Licht, und von der Dachterrasse aus sehe ich zurück auf die schneebedeckten Gipfel, die jetzt fast unwirklich fern erscheinen.
Was bleibt, ist das Gefühl tiefer Zufriedenheit: zwei Gipfel über 4000 Meter, ein Stück wilder Atlas, und die Herzlichkeit der Berber, die diesen Ort so besonders machen.

2 Comments
vxotl1
vxotl1