Besteigung des Toubkal in Marrokko in hohen Atlas

Besteigung des Toubkal in Marrokko in hohen Atlas
Aus aktuellem Anlass schreibe ich hier mal einen Artikel über den Höchsten Berg Marrokkos und Nordafrikas:
Vom 20. bis 30. Oktober werden wir eine Erkundungstour in Marrokko durchführen mir Besteigungen im Atlasgebirge, einem Besuch der Königsstadt Marrakesch und einer Exkursion in die Saharawüste.Hier kann jeder Interessent gerne teilnehmen.
Wer Interesse hat kann sich einfach unter: 
twilken73@gmail.com oder 015115582911 melden

Der Djebel Toubkal – Marokkos Dach und legendäres Wanderziel im Hohen Atlas
Der Djebel Toubkal ist mit 4.167 Metern der höchste Berg Nordafrikas und ein beliebtes Ziel für Wanderer und Bergsteiger aus aller Welt. Er liegt im Herzen des Hohen Atlas – einem gewaltigen Gebirgszug, der sich über 700 km durch Marokko zieht. Der Toubkal ist dabei nicht nur geographisch, sondern auch symbolisch eine herausragende Erhebung: für die Berbervölker der Region ein heiliger Ort, für Outdoorfreunde ein zugänglicher 4000er mit eindrucksvollen Landschaften und kultureller Tiefe.

Bedeutung und Mythos des Djebel Toubkal
„Adrar n Dern“, wie ihn die Amazigh (Berber) nennen, gilt als Ort mit spiritueller Kraft. Der Toubkal ist eingebettet in eine Region, in der alte Lebensweisen noch stark präsent sind – von Berberdörfern mit Lehmarchitektur bis zu transhumanten Hirten. Schon lange gilt der Berg als natürlicher Orientierungspunkt und Wettermesser.
Für viele Einheimische ist er mehr als nur ein geografischer Punkt – ein heiliger Berg, der respektvoll betreten werden will. Die Nähe zu Marokkos Königsstadt Marrakesch sorgt dafür, dass sich Tradition und Tourismus hier intensiv begegnen.

Erste Besteigung und alpinistische Geschichte
Die erste dokumentierte Besteigung des Djebel Toubkal gelang im Jahr 1923 den Franzosen V. Berger, H. Dolbeau und M. Routier, die die damalige französische Kolonie Marokko systematisch kartografierten. Schon kurz darauf wurde der Toubkal zu einem Ziel kolonialer Alpinisten, was auch zur Einrichtung der ersten Berghütten durch den französischen Alpenverein führte.
Inzwischen hat sich der Toubkal zu einem festen Bestandteil vieler Marokko-Reisen entwickelt – besonders bei Wanderern, die eine einsteigerfreundliche 4000er-Besteigung suchen.

Anreise und Ausgangspunkt: Imlil
Die Tour zum Toubkal beginnt fast immer im kleinen Bergdorf Imlil, das etwa 1,5 bis 2 Stunden südlich von Marrakesch liegt. Imlil ist leicht per Taxi, Mietwagen oder organisiertem Transfer erreichbar und hat sich zum Trekkingzentrum Marokkos entwickelt.
Unterkünfte: Viele Gästehäuser, einfache Lodges und Berberunterkünfte.
Ausrüstungsverleih: Vor Ort gibt es Shops mit Wanderstöcken, Steigeisen (für Frühjahr), Maultieren und Bergführern.
Guidepflicht: Seit 2019 ist ein zertifizierter lokaler Bergführer Pflicht für den Toubkal – zur Sicherheit der Wanderer und zur Kontrolle des Zugangs.

Anstiegsrouten auf den Toubkal
1. Normalroute (Südroute über das Toubkal-Refugium)
Die Standardroute ist technisch einfach, aber konditionell fordernd.
1. Tag: Aufstieg von Imlil (1.740 m) durch das Mizane-Tal über Sidi Chamharouch (heiliger Schrein) bis zum Toubkal-Basecamp auf 3.200 m (ca. 5–6 Stunden, 1.400 Höhenmeter).
2. Tag: Gipfelbesteigung in 3–4 Stunden und Rückweg bis Imlil.
Unterkunft: Zwei große Hütten: Refuge du Toubkal (CAF) und Les Mouflons, beide mit einfacher, aber funktionaler Ausstattung.

2. Nordroute (Seltener begangen)
Über Aguelzim-Pass und das Tazaghart-Plateau, landschaftlich eindrucksvoller, deutlich anstrengender, ideal als Rundtour.
Längerer Anstieg mit Biwakmöglichkeiten oder Zusatzübernachtung in der Lepiney-Hütte (3.000 m).
Trittsicherheit und Orientierungssinn sind dringend erforderlich.

Regeln, Kosten und Besonderheiten

Guidepflicht: Seit einem tragischen Zwischenfall 2018 (bei dem zwei Touristinnen getötet wurden), gilt für alle Besteigungen des Toubkal eine obligatorische Begleitung durch einen registrierten, lokalen Bergführer.

Kosten:
Guide ab ca. 30–50 € pro Tag (je nach Gruppengröße)
Maultierträger ca. 15–20 € pro Tag
Übernachtung in Hütten ca. 15–25 €
Mahlzeiten vor Ort zubuchbar
Eintritt: Kein offizieller Eintritt, aber Checkpoints am Beginn des Weges, wo die Daten registriert werden.
Saison: Beste Zeit ist Mai bis Oktober. Im Winter (Dezember–März) ist die Route schneebedeckt – dann sind Steigeisen, Pickel und alpine Erfahrung nötig.

Was erwartet einen auf dem Gipfel?
Nach einem steilen Schlussanstieg über Geröll und teils Blockgelände erreicht man die breite Gipfelfläche mit dem markanten eisernen Dreieck – dem Gipfelzeichen des Toubkal. Bei klarer Sicht öffnet sich ein unglaubliches Panorama über den gesamten Hohen Atlas, bis ins marokkanische Flachland.
Der Moment am höchsten Punkt Nordafrikas ist emotional und oft unerwartet einsam – besonders bei Sonnenaufgang. Hier steht man über Wüste und Meer, über Arabischer Welt und Afrika.
Der Djebel Toubkal ist ein 4000er mit vielen Gesichtern: alpin, spirituell, wildromantisch und gut erreichbar. Wer mit Respekt und Vorbereitung kommt, erlebt eine eindrucksvolle Besteigung, bei der nicht nur die Höhe, sondern auch das kulturelle Umfeld prägt. Der Weg von den Souks Marrakeschs zu den Berberdörfern des Atlas ist kurz – und doch eine Reise in eine andere Welt.

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