Die Rückkehr der Wildnis: Bären und Wölfe in den Abruzzen
Aus aktuellem Anlass schreibe ich heute einen Artikel über die Abruzzen, denn im September werden wir eine Pilotreise dort veranstalten.Mehr auf:
https://www.suedamerikatours.de/de/blog/trekking-in-den-abruzzen-6-tage-wandern-zwischen-gipfeln-und-urspruenglichen-berghuetten?highlight=WyJhYnJ1enplbiIsImFicnV6emkiXQ==
Wer an die Abruzzen denkt, denkt meist zuerst an steile Kalkgipfel, tiefe Schluchten und die einsame Hochebene des Campo Imperatore. Doch die Bergregion im Herzen Italiens – nur wenige Autostunden von Rom entfernt – hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem der bedeutendsten Refugien für Großraubtiere in Westeuropa entwickelt. Wo andernorts über die Wiederansiedlung von Beutegreifern gestritten wird, leben Mensch und Wildtier in den Abruzzen seit Generationen in einer erstaunlich funktionierenden Koexistenz.
Die Hauptdarsteller der Abruzzen-Wildnis
1. Der Marsische Braunbär (Ursus arctos marsicanus)
Der Marsische Braunbär ist das unangefochtene Wahrzeichen des Parco Nazionale d’Abruzzo, Lazio e Molise. Es handelt sich um eine eigene, streng geschützte Unterart des Braunbären, die ausschließlich in den Zentralapenninen vorkommt.
Besonderheiten: Mit etwa 50 bis 60 verbliebenen Individuen ist die Population kritisch gefährdet. Marsische Bären gelten als außergewöhnlich friedfertig und scheu. Auf ihrem Speiseplan stehen vor allem Beeren, Nüsse, Wurzeln, Insekten und nur selten Aas oder Huftiere.
Verhalten: Sie meiden den direkten Kontakt zum Menschen und ziehen sich tagsüber meist in die dichten Buchenwälder zurück.
2. Der Apenninenwolf (Canis lupus italicus)
Im Gegensatz zum Bären war der Wolf in den Abruzzen nie völlig ausgerottet. In den 1970er Jahren stand die Art mit nur noch knapp 100 Tieren in ganz Italien kurz vor dem Aussterben. Dank strenger Schutzmaßnahmen und der Einrichtung von Nationalparks hat sich der Bestand erholt. Heute ziehen wieder mehrere Rudel durch die Bergmassive von Maiella, Gran Sasso und den Abruzzen-Nationalpark.
Wo und wie Wanderer Bären und Wölfen begegnen können
Eine zufällige Begegnung auf dem Wanderweg ist extrem selten – beide Arten verfügen über einen feinen Geruchs- und Hörsinn und weichen Menschen lange vor einer Sichtung aus. Wer die Chancen auf eine Beobachtung aus sicherer Entfernung maximieren möchte, sollte gezielt vorgehen.
Die besten Regionen
Parco Nazionale d’Abruzzo, Lazio e Molise (PNALM): Das Kerngebiet des Marsischen Bären. Besonders die Täler rund um Pescasseroli, Opi, Civitella Alfedena und den Lago di Barrea bieten hervorragende Bedingungen.
Majella-Nationalpark: Das schroffe, höhlenreiche Massiv der Majella gilt als eines der dichtesten Wolfsreviere Europas und bietet auch Bären einen zunehmend wichtigen Lebensraum.
Die richtige Zeit
Jahreszeit: Für Bärenbeobachtungen eignet sich der Spätsommer bis Frühherbst (August bis Oktober) am besten. In dieser Zeit verlassen die Bären die dichten Wälder und steigen in die höher gelegenen Raufutterzonen oder Beerensträucher (wie die Früchte des Kreuzdorns) ab, um sich Fettreserven anzufressen. Wölfe sind ganzjährig aktiv, verlagern ihre Streifzüge im Winter jedoch oft weiter hinab in die Täler.
Tageszeit: Sowohl Bären als auch Wölfe sind dämmerungsaktiv. Die besten Zeitfenster sind die erste Stunde nach Sonnenaufgang und die letzte Stunde vor der Dämmerung.
Strategie für die Beobachtung
Ansitz statt Pirsch: Das Umherstreifen im Wald führt meist nur dazu, dass Tiere aufgeschreckt werden. Die erfolgreichste Methode ist der geduldige Ansitz an bekannten Aussichtspunkten (sog. Punti Panoramici), von denen aus man mit dem Spektiv oder Fernglas weite Hänge, Waldränder und Lichtungen absucht.
Geführte Touren (Wildlife Watching): Vor Ort gibt es spezialisierte, lokale Anbieter und Parkführer (z. B. in Pescasseroli oder Civitella Alfedena). Diese Biologen und Bergführer kennen die aktuellen Reviergrenzen, Wechsel und Fressplätze genau und garantieren eine störungsfreie Beobachtung aus angemessener Distanz.
Verhaltensregeln im Bären- und Wolfsgebiet
Das Wandern in den Abruzzen ist sicher, erfordert aber Respekt vor den Regeln des Parks:
Auf den markierten Wegen bleiben: Schutzzonen und Kernzonen dürfen nicht verlassen werden, um den Tieren Rückzugsräume zu lassen.
Hunde strikt an der Leine führen: Freilaufende Hunde können Wölfe provozieren oder Bären aufschrecken und die Gefahr direkt zum Halter zurücktragen.
Keine Speisereste hinterlassen: Bären dürfen sich unter keinen Umständen an menschliche Nahrung gewöhnen, da sie sonst zu sogenannten „Problembären“ werden.
Verhalten bei einer Begegnung:
Ruhezustand bewahren, nicht rennen oder laut schreien.
Dem Tier Raum zur Flucht lassen und sich langsam rückwärts entfernen.
Nicht versuchen, für ein Foto näher heranzutreten.
Die Abruzzen beweisen eindrucksvoll, dass ein Nebeneinander von sanftem Outdoor-Tourismus und dem Schutz unserer faszinierendsten Großraubtiere möglich ist. Für Wanderer macht das Wissen, dass hinter der nächsten Felskante ein Bär oder ein Wolf unterwegs sein könnte, den besonderen Reiz dieser wilden italienischen Bergwelt aus.
Wandern und Bären und Wölfe beobachten - diese Kombination gibt es in den Abruzzen
